Ohrenspitzer

Ohrenspitzer? ... Ja, Ohrenspitzer!

Unsere Schule ist seit 2004 eine der Ohrenspitzer-Schulen in Rheinland Pfalz. Was bedeutet das im Unterrichtsalltag?

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Ein ganz normaler Morgen – Querschnitt durch vier Klassenstufen: Es ist mucksmäuschenstill in der 1a. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Alle Kinder sind hochbeschäftigt, sie lauschen konzentriert in die selbstgestaltete Stille, um zu forschen, um wichtige Entdeckungen zu machen, allein mit ihren Ohren: der Nachbar atmet laut, ein Kind schnieft, weil die Nase läuft, draußen krächzt eine Elster, Gemurmel auf dem Flur, ein Bleistift rollt vom Tisch ..., so spannend kann der „Blick in die Stille“ sein!

In einem 2. Schuljahr sieht man die Schüler ebenfalls mit „aufgestellten“ Ohren im Sitzkreis versammelt. „Ein Wecker rasselt oder war das ein Telefon? Da duscht irgendwer oder war es ein Geschirrspülautomat?“ Die Kinder müssen schon sehr genau hinhören, denn nur, wer alle Geräusche richtig errät und sich diese auch merken kann, erschließt sich das Thema des Tages. „Da fällt ein Kühlschrank zu, dann die Haustür“ – richtig, heute geht es um den „Morgen, ein Stückchen Tag“.

Gruppenarbeit in Klasse 3. Hier wird inmitten vielfältiger Alltagsgegenstände, Papiere und kleiner Musikinstrumente wild getüftelt und ausprobiert. Das Ziel der Gruppe: Eine Geräuschegeschichte – verknüpft mit sorgfältiger Vorarbeit: Welche Wörter sind „Wörter für die Ohren“ und können gut gegen Geräusche ausgetauscht werden? Wie kriegen wir das hin, welche Utensilien benötigen wir für welche Stelle? Wer liest und erzählt, wer übernimmt welchen Geräuschepart in der Geschichte? ... Es gibt viel zu tun, aber die Arbeit lohnt sich, und sie macht Spaß und Lust aufs Hören. Wer das gut kann, ist ziemlich aus dem Schneider!

In einer 4. Klasse ist genau zu sehen, wer gerade eben noch die Ohren gut gespitzt hat. Eine Stationenarbeit ist in vollem Gange. Arbeitsaufträge wurden zuvor erklärt, notwendige Materialien vorgestellt, Hinweise zur Sozialform gegeben, Arbeitsräume aufgeteilt. Jetzt heißt es, das Ganze richtig umzusetzen.

Gut zuhören bedeutet nicht nur hören, sondern auch filtern und begreifen. Mit gespitzten Ohren geht das am besten, das wissen die Kinder, denn sie sind vom 1. Grundschultag gut geschult aufs Ohrenspitzen.

„Ohrenspitzer“ erscheinen meist wenig spektakulär. Es sind winzige Bausteine in der Hörerziehung, die aber dennoch große Wirkung auf das Zuhören im Allgemeinen und das akustische Lernen im Besonderen haben können. Schwierigkeitsgrad und Dauer sind beliebig veränderbar und die Gestaltung einer „Hörsequenz“ sowohl vom F

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ächerkanon losgelöst als auch fächerverbindend möglich. Was dabei mitunter sehr spielerisch geübt und geleistet wird ist nicht nur eine wichtige Basis für spezifische Lernprozesse. Es ist auch der Grundstein für eine angenehme Lernatmosphäre, in der das uns eigene Grundbedürfnis nach Ruhe und Stille befriedigt werden kann. 

Still sein, damit andere das Wort haben können, zuhören und verstehen, was sie ansprechen, aber auch erfahren, dass viele Menschen leise sind und hören, was ich ihnen mitteilen möchte, auch das ist wichtig und dem weiteren Lernen zuträglich. Grund genug für die Lehrer und Lehrerinnen unserer Schule, das „Ohrenspitzen“ zur Tagesordnung zu machen.